Kunstbuch LEBENSLÄUFE

Konzept

Lebensläufe von Mireille Jautz und Stefan Krüger

Alle Bilder und Texte handeln von Menschen. Wir haben dabei bestehende Werke von uns ausgewählt und gegenübergestellt, die thematisch mal leichter, mal stärker eine Beziehung eingehen können. Auf diese Weise sind unsere Werke in der Lage, einander zu befruchten.
Wir glauben nämlich, dass auch für sich geschaffene Texte und Bilder eine Wechselwirkung eingehen können und dass so in den Augen der Leser*innen ein neues Werk entsteht. Dabei war es spannend für uns zu erfahren, wie es ist, wenn mal das Bild und mal der Text stärker in den Fokus rückt.
In die eine Richtung geblättert halten Sie einen Bilderkatalog mit Zitaten in der Hand, der gedreht zum bebilderten Lyrikband wird. Ganz neu und extra für diese Zusammenstellung entstanden meine Portraitausschnitte als Schwarz/Weiß/Grau Serie unter dem Titel REMIX während der Pandemie.

Weitere Lyrik von Stefan Krüger unter
www.stefankrueger.net

  • Das Buch enthält 57 Gedichte, 57 Bildtafeln, 57 Portraits
  • Auflage 57 Bücher
  • Gefördert vom Kulturamt Wiesbaden
  • Handsigniert und durchnummeriert von beiden Künstlern
  • Erscheinungsjahr 2022
  • 248 Seiten im hardcover
  • Für 57 Euro erhältlich inklusiv Versand

Von Angesicht zu Angesicht:
Bildnisse im Werk von Mireille Jautz

Text von Miriam Olivia Merz

Es sind immer wieder Bilder von Menschen, mit denen sich Mireille Jautz seit über 20 Jahren in ihrem künstlerischen Schaffen auseinandersetzt. In ihren Arbeiten nimmt sie sich selbst, ihr unmittelbares Umfeld wie Familienangehörige und Freunde, aber auch ihr völlig unbekannte Personen in den Blick. Durch ihr gesamtes Werk ziehen sich menschliche Grundthemen wie Liebe, Sehnsucht, Glück, Schmerz, Schönheit, Natur, Traum und Vergänglichkeit. Eigene Fotografien, alte Familienfotos und zufällige Fundstücke der Alltagskultur sowie Ausschnitte aus Zeitschriften und Filmen bilden dabei die “Vorlagen“ für ihre Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Druckgrafiken.
So entstand ab 2014 die Serie der „Linoleumdamen“ ausgehend von einem Trödelmarktfund. Passbildgroße schwarz-weiß-Aufnahmen von Frauen der 1930er Jahre, die als Sammelbildchen internationaler Schönheitsköniginnen von einer Zigarettenfabrik in Umlauf gebracht worden waren, inspirierten Mireille Jautz zu Linolschnitten und mehrfarbigen kontrastreichen Drucken. In der Reihe „Filmstiches“ verarbeitet die Künstlerin Fotografien besonderer Filmszenen (z.B. aus den zehn Wettbewerbsfilmen des Deutschen FernsehKrimi-Festival Wiesbaden im Jahr 2010) durch Montage zu etwas Neuem. Gesichter und einzelne Körperpartien der Dargestellten werden mittels blauer und schwarzer Tusche abgedeckt und verfremdet. Eingestickte Fäden heben einzelne Bereiche des Bildes betonend hervor und erinnern darin an sogenannte Stickkarten. Die Darstellung eines Einkaufswagens mit seiner prägnanten Form und Metallgitterstruktur bestimmt eindrücklich die überwiegend in Grün-schwarz-rot-Tönen gehaltene frühe Gemälde-Serie „Supermarkt“, in der er als wichtigstes Attribut von Menschen im Supermarkt thematisiert wird.
Diese und weitere seit 2000 geschaffene Serien stehen am Ausgangspunkt der Gruppe „REMIX“, die Mireille Jautz während der Pandemiezeit kreierte. Aus der Rückbesinnung auf eigene in unterschiedlichen Medien realisierte frühere Arbeiten entwickelte sie eine Gemälde-Serie, die jeweils Gesichtsausschnitte von bereits in ihren bisherigen Werken dargestellten Personen zeigt und neu interpretiert. Mireille Jautz‘ nähere Auseinandersetzung mit den ihr bereits vertrauten Menschen geht in der weiteren künstlerischen Umsetzung einher mit einer Konzentration und Fokussierung auf deren Gesichter. Die Nähe, die durch das Heranzoomen entsteht, wird zugleich wieder aufgehoben mittels Reduktion des Kolorits auf schwarz-, weiß- und grau-Töne und dem damit verbundenen Verfremdungseffekt. Über das Bildthema und die zurückgenommene Farbigkeit hinaus sind die rund 80 Gemälde der Serie ebenfalls in Format (20 x 20 cm) und in der Maltechnik (Acryl auf Papier) identisch. Indem Mireille Jautz auf bereits Vorhandenes zurückgreift, ihre eigenen Werke zitiert und offensichtlich mit dem Aspekt der Wiederholung als einem zentralen Prinzip künstlerischen Schaffens spielt, schafft sie nicht nur ein Gruppenporträt der in ihrem künstlerischen Kosmos versammelten Personen. Sie erzählt damit auch von der Hinterfragung ihrer eigenen Maxime als Künstlerin